Ein Bauer aus dem Ort wollte, dass ich ihn abkaufe, weil er bei ihm nicht gedieh. Er hätte an ihm ohnehin nichts verdient. Elliot sah mit einem Jahr noch aus wie ein fünfmonatiges Kalb. Dieses Lebensjahr hatte er ganz kurz angebunden in einem dunklen Stalleck verbringen müssen. Gegenüber an der anderen Wand angebunden befand sich seine Mutter Fanny, die wir später auch noch retten konnten. Wie sich heraus stellte, litt Elliott an einer Pansenübersäuerung. Durch die Behandlung nach der Übernahme wurde er gesund und fing dann auch bald an zu wachsen. Zusammen mit seinem Stallgefährten Gadi, den wir ihm zur Seite gestellt haben, wurde er auf einen Lebenshof in Niederbayern gebracht. Dort lebt er auf riesigen Weiden in einer Rinderherde und sieht mittlerweile prachtvoll aus.
Alma wartete als fünf Monate altes Kalb im Schlachthof auf ihre Tötung. Sie war seit mindestens zwei Tagen ohne Tränke und Futter (sie brauchte noch Milch, fraß aber schon etwas Heu). Und sie lag ganz lässig in der Box und wartete einfach. Sie hatte überhaupt keine Angst und sie hat keinen Ton gesagt. Kälber schreien sonst immer im Schlachthof, erst recht, wenn sie hungrig sind. Sie schien zu wissen, was ich noch nicht wusste: ihr würde nichts passieren, denn sie würde mit mir gehen.
Ich hatte diese Idee damals noch gar nicht. Nicht richtig, jedenfalls. Als dann gleich zwei aus der Schlachthof-Leitung nacheinander zu mir kamen, um mir vorzujammern, dass dieses Kalb überzählig sei und gar nicht gebraucht würde, fiel der Groschen bei mir Pfennig-weise. Sie hat sich von Anfang an gut in alles eingefügt, obwohl ich gar nicht auf ihre Ankunft vorbereitet war und vieles improvisiert werden musste. Ihre Ideen und ihr Sportsgeist haben später allerdings manchmal über das Ziel hinaus geschossen. Inzwischen ist sie aber eine sehr verlässliche Kuhgefährtin geworden.
Alma lebt auf dem Lebenshof Sanamuhrium mit ihrer Freundin Berta und ihrem "Frauchen" Nicole.
Wie es dazu kam, dass weil Tiere lieber e.V. eine ganze Herde Schottischer Hochlandrinder sein eigen nennt:
„Die 14 köpfige Herde sollte komplett zur Schlachtung, weil die Besitzerin in Geldnot geraten war. Es fand sich kein Züchter für die Übernahme der Tiere. Ein Händlerangebot, das sehr schlecht war, wurde von ihr deshalb trotzdem angenommen. Er gab zwar vor, die Tiere an einen Züchter zu verkaufen, wir erfuhren aber über einen Umweg, dass er die ganze Herde einem Schlachter zum Kauf angeboten hatte. Zwei Tiere wollte ich frei kaufen und hatte auch schon Spenden bekommen. Am Tag der Abholung durch den Händler, hatte die Besitzerin den Händler allerdings immer noch nicht dazu gebracht, auf zwei Tiere der Herde zu verzichten. Er bestand auf die komplette Gruppe. Etliche der Kühe sind trächtig, das weitere Schicksal der Herde wäre klar gewesen. Deshalb habe ich spontan alle Tiere vor der Nase des Händlers weggekauft, was ihn vor Wut fast zum Platzen brachte - und mich in Erklärungs- und Finanzierungsnot.“
Übernommen wurde eine 14-köpfige Herde, in der 5 Kühe tragend waren. So wuchs die Herde in 2017 auf insgesamt 19 Mitglieder an. Inzwischen sind einige der älteren Tiere gestorben, so dass der Bestand wieder 14 Tiere zählt.
Die Herde wurde - bis auf Handaufzucht Isetta - nie getrennt, alle Herdenmitglieder leben zusammen auf einem wunderschönen Pensionsplatz in Niedersachsen.
Charakter: erst Krawallschachtel, später entspannt, selbstbewusst, stolz
Abschied von Krawalli Krawalli stammte aus der Gießener Rettung, einer Hofauflösung wegen schlechter Haltung, mehrere Hundert Rinder waren damals betroffen. Einige davon konnten von Vereinen gerettet und auf Lebenshöfen untergebracht werden. Zum Teil sind sie dort leider wegen ihres schlechten Zustandes schon bald gestorben. Krawalli stand eigentlich bei keinem Verein auf der Liste der Tiere, die übernommen werden sollten. Sie rettete sich mit einem Hechtsprung auf unseren bereit stehenden Anhänger einfach selber, denn niemand brachte es fertig, sie wieder in den Stall zurück zu treiben. Von da ab hat sie nach und nach ihre Unruhe stiftende Art abgelegt, die sie wohl beim Vorbesitzer immer und bei uns anfangs auch gezeigt hat.
Leider war sie nie lange gesund. Ständig hatte sie größere und kleinere Probleme aller Art, als würde etwas an ihr den schwächsten Punkt suchen. Vor Kurzem scheint dieses Etwas Erfolg gehabt zu haben. Ihre seit dieser Weidesaison zunehmend verformten Nebenhöhlen und Kieferäste wurden ausgiebig in der Rinder Klinik untersucht und, soweit möglich, behandelt. Das Ergebnis war nicht ganz eindeutig. Die Prozesse an mehreren Stellen des Kopfes waren auf jeden Fall entzündlich. Ob auch tumorös, konnte nicht ganz sicher ausgeschlossen werden.
Leider sind die Knochenverformungen nicht rückgängig zu machen. Zähne haben sich gelockert, die Atmung war erschwert, ein Kieferknochen insgesamt instabil, mehrere offene Stellen hätten weitere Infektionsgefahr bedeutet. Heute hat sie uns die Entscheidung leichter gemacht, denn ihr Zustand hat sich über das Wochenende deutlich verschlechtert in der Klinik. Deshalb habe ich mich soeben in Absprache mit den Klinikärzten für die Euthanasie entschieden. Leid um jeden Preis zu verlängern, wäre keine gute Alternative gewesen. Run free ❤😓
Abschied von Josy Josy hat eine besondere Geschichte. Ursprünglich wurde sie von einem aus dem Fernsehen bekannten Landwirt gerettet. Der Verein Rüsselheim e. V. bekam sie bei der Abholung und Rettung eines anderen Rindes quasi als Zugabe. Sie war in einem so schlechten Zustand, dass sie ein wirtschaftlicher Totalschaden für den Besitzer war. Josy schaffte es gerade noch auf den Anhänger, zwar mit Mühe, aber sie wollte wirklich unbedingt mit. Von dort ging der Weg für sie direkt in die nächste Tierklinik. Überall am Körper waren Geschwüre vom Liegen, die voller Eiter waren. Sie wurde operiert, mehrere 10 Liter Eimer Eiter wurden zum Ablaufen gebracht, die Wunden gespült, mit Medikamenten aller Art versorgt und trotzdem war die Klinik zuletzt der Meinung, es sei besser, Josy einzuschläfern.
Ich wurde vom anderen Verein um Hilfe gebeten und nahm Josy in meinem Quarantänestall auf, um sie weiter zu pflegen. Dorthin war es von der Klinik aus nur kurz zu fahren und die weitere medizinische Versorgung war gewährleistet, weshalb die Klinik zuletzt damit einverstanden war. Zu unserer Freude entwickelte Josy bei uns schnell viel Lebensfreude. Sie kam mit ihren zum Teil bleibenden Körperschäden erstaunlich gut zurecht. Ein dickes Hinterbein blieb als Schönheitsfehler zurück und benötigte lediglich häufigere Klauenkorrekturen, die Abszesse am übrigen Körper heilten auch ab. Lediglich ihr gebrochener Schwanzansatz mit Nervenabriss, vermutlich nach einer gewaltsamen Geburt, blieb ein Problem aus ihrem Vorleben mit lebenslangen Folgen für sie. Sie konnte den Schwanz kaum bewegen und war inkontinent, hatte also keine Kontrolle darüber, wie und wann sie Kot und Urin absetzte.
Bei unserem Umzug von Bayern nach Niedersachsen kam sie mit uns mit, weil sie sich inzwischen mit Kuh Queenie gut angefreundet hatte und wir die beiden nicht trennen wollten. Das ist fast sechs Jahre her, seitdem war sie in einer kleinen Herde befreundeter Rinder und genoss die Sommer auf der Weide. Wunderbarer Weise kam sie trotz ihrer Behinderung immer gut zurecht.
Dieses Jahr kam die kleine Truppe erst etwas später, an Pfingsten, auf die Weide. Josy zog sich dabei zwei kleinere Verletzungen am Schwanz zu, an dem sie weiterhin kaum etwas fühlen konnte. Sofort setzten Fliegen dort ihre Eier ab, ein Problem, dass zwar grundsätzlich während der Weidezeit bekannt ist, das ich aber selbst noch nie bei meinen Tieren hatte, obwohl ab und zu kleinere Verletzungen vorkommen können. Sie wurde dagegen behandelt, aber die Fliegen gaben nicht auf und probierten es täglich aufs Neue. Also war die Überlegung, Josy wieder auf den Hof zu holen, um die Behandlungen leichter durchführen zu können, die scheinbar trotz allem täglich nötig blieben. Heute Nacht hat sie uns die Entscheidung abgenommen. Sie verstarb an dem Platz, an den sie sich nach dem Grasen hingelegt hatte. Warum sie starb, bringt vielleicht noch die pathologische Untersuchung ans Licht. Alle Kollegen, mit denen ich Rücksprache gehalten habe, halten Herzversagen oder einen Gefäßverschluss für am Wahrscheinlichsten.
Josy, wir hatten eine gute Zeit zusammen. Die Bilder sprechen für sich. Jetzt bist du wieder mit Frau Rosalie aus deiner kleinen Herde zusammen, die diesen Winter gestorben ist. Es war so bewegend nach deiner Rettung damals zu sehen, wie du plötzlich entdeckt hast, dass das Leben doch schön ist.
Lina Geboren: 16.08.14 Gestorben: Mai 2020 Rasse: Weiß-blauer Belgier-Mix
Charakter: zurückhaltend
Abschied von Lina In einer Blitzaktion auf Facebook wurden mehrere Kälber innerhalb weniger Tage gerettet. Ganz mutig kaufte Michaela G. zwei Kälber: Lina und den gleichaltrigen Benny.
Lina starb nach einem Weideunfall, sie wurde nur knapp 6 Jahre alt. Sie lebte von 2015 bis 2020 zusammen mit Benny auf einem Pensionshof in Schwaben.
Rasse: Schwarzbunte Charakter: erst sehr ängstlich, später freundlich, fröhlich, verschmust
Abschied von Frau Rosalie Sie stammte aus einer Betriebsauflösung und wurde von einer privaten Retterin an uns vermittelt, um sie vor dem Export zu bewahren. Sie war ein freundliches, aber schüchternes Tier mit wenig Selbstbewusstsein. Sie fand sich nach und nach bei Tier und Mensch ein und fühlte sich in einer kleinen Vierer-Herde bestens aufgehoben. Sie stand zusammen mit Vroni, Queenie und Josy. Sowohl auf der Weide als auch im Winterquartier sorgten wir für ein ihr bekanntes und stabiles Umfeld.
Anfang März 2020 hatte Frau Rosalie nachts einen Unfall im Stall, bei dem sie schwer an der Wirbelsäule verletzt wurde. Was genau passiert ist, können wir nur mutmaßen. Vermutlich hatte es mit Brunft und sehr viel Pech zu tun, denn diese Vierergruppe hat eigentlich ausgezeichnet zusammen gepasst. Den Folgetag über haben wir versucht, ihr wieder auf die Beine zu helfen. Aber es hat nichts Wirkung gezeigt und irgendwann war klar, dass wir ihr keinen Gefallen damit tun, weiter abzuwarten. Manchmal ist es nur schwer zu ertragen.
Liebe Rosalie, du hast uns viel Freude bereitet und bleibst unvergessen!
Soja Geboren: 09.02.2001 Gestorben: 05.02.2020 Rasse: Charolais
Charakter: lebensfroh, sehr lieb, unkompliziert und freundlich
Abschied von Soja Sojawar Rosines Freundin und sollte altersbedingt geschlachtet werden. Wir fanden sie vor als ein 15-jähriges schauriges Klappergestell mit massiven Fehlstellungen.
Ihre Tochter Tofu war ihr 13. Kalb und wir haben alle Drei im Mai 2016 gemeinsam befreit. Eigentlich wollte der Landwirt Tofu behalten, um mit ihr weiter zu züchten. Aber wir versuchen immer - wenn möglich - ganze Familien zu retten. Rinder hängen sehr an ihren nahen Verwandten und Freunden. Deshalb durfte Tofu dann auch mitkommen.
Soja lebte mit Tochter Tofu und Freundin Rosine zusammen erst im Hunsrück und dann auf einem wunderschönen Pensionsplatz in Hessen.
Soja starb Anfang Februar 2020 und verfehlte ihren 19. Geburtstag um nur 4 Tage. Ein stolzes Alter für eine einst derart ausgebeutete Milchkuh und 13-fache Mutter.
Charakter: eine der zutraulicheren der Highländer-Herde
Abschied von Ulla-die Eule Ulla war eines der 14 schottischen Hochlandrinder, die wir 2016 als komplette Herde übernahmen. Zum Glück war sie nicht tragend.
Als Älteste der Herde war sie neben Chef Poppey das Leittier der Herde.
Sie hatte als eine der wenigen bereits einen Namen: Eule, so dass wir diesen gemäß unserem Rettungsalphabet ("U" war dran), mit ihrem neuen Namen Ulla kombinierten. Gerufen haben wir sie aber "Eule".
Man konnte sie jederzeit erkennen an der asymmetrischen Stellung ihrer imposanten Hörner.
Ulla Eule ist in der Nacht auf den 23.01.2020 gestorben. Sie war vorher nicht auffällig und ist wohl einfach hinüber gewechselt.
Mit 18einhalb Jahren ist das für ein Rind auch zulässig. Trotzdem war sie jemand, den wir vermissen werden. 💝
Charakter: wie ihre Mama lebensfroh, sehr lieb, unkompliziert und freundlich
Abschied von Tofu Eigentlich wollte der Landwirt die 3-monatige Tofu behalten, um mit ihr weiter zu züchten. Aber wir versuchen immer - wenn möglich - ganze Familien zu retten. Rinder hängen sehr an ihren nahen Verwandten und Freunden. Als wir ihre Mutter Soja zusammen mit deren Freundin Rosine im Mai 2016 retteten, durfte Tofu dann auch mitkommen. Tofu ist Sojas 13. Kalb und das einzige, das sie behalten durfte.
Tofu und Mama Soja lebten zusammen erst im Hunsrück und dann auf einem wunderschönen Pensionsplatz in Hessen.
Tofu verunglückte Anfang Oktober 2019 und wurde nur 3 1/2 Jahre alt.