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Hope

Hope
Geboren: 12.04.2012
Gestorben: 25.04.2018
Rasse: Rotbunte

Charakter: ein liebes Mädchen




Abschied von Hope
Sie wurde bei der „450-Rinder-Aktion“ gerettet. Sie stammt aus der Gießener Hofauflösung. Hope wurde uns vom Landwirt „untergejubelt“. Eigentlich sollte eine andere rote über uns auf einen Lebensplatz ziehen. Aber dann sagte keine 24 Stunden vor Abholung der Platz wieder seine Zusage ab und dann stand bei der Abholung plötzlich die falsche Kuh auf dem Hänger. Da es aber jede verdient hatte mitzukommen, durfte Hope dann trotzdem mit.

Bei der Übernahme war sie trächtig und brachte im Dezember ihren Sohn Gironimo zur Welt.

Hope lebte mit ihm auf einem wunderschönen Pensionsplatz im Hunsrück.
Leider wurde sie nicht alt, dies ist sicherlich den unsäglichen Haltungsbedingungen bei ihrem Vorbesitzer geschuldet.

Wir werden dich nicht vergessen, du Schöne!

Foto: Nicole Tschierse

Gundi
Geboren: 22.09.2012
Gestorben: 20.01.2016
Rasse: Schwarzbunte

Charakter: leider konnten wir sie nie richtig kennenlernen




Abschied von Gundi
Sie wurde bei der „450-Rinder-Aktion“ gerettet. Sie stammt aus der Gießener Hofauflösung. Sie war zum Glück nicht trächtig. Gundi konnte nach einem kurzen Aufenthalt in der Tierklinik, während dem sie trocken gestellt wurde, so dass sie nicht mehr gemolken werden musste, an einen bekannten privaten Platz vermittelt werden. Dort erkrankte sie allerdings nach wenigen Tagen schwer und verstarb trotz intensiver tierärztlicher Behandlung. Die pathologische Untersuchung ergab eine weit fortgeschrittene Lungenschädigung mit nachfolgendem Organversagen. So stellen wir uns einen Erfolg zwar nicht vor, aber wir haben es zumindest versucht. Selbst in der Tierklinik, in der sie zum Trockenstellen war, ist den Tierärzten allerdings nicht aufgefallen, in welchem schlechten Zustand sie sich bereits befunden hat.

Wir werden dich nicht vergessen, du Schöne!

Foto: Nicole Tschierse

Vroni

Vroni
Geboren: 22.10.2007
Gestorben: 25.09.2020
Rasse: Fleckvieh

Charakter: emotional, verrückt, verschmust, je nachdem ...

Abschied von Vroni (Ein Nachruf auf eine sehr besondere Kuh von Nicole Tschierse)
Vroni war schon immer außergewöhnlich ängstlich und von einem ungewöhnlichen Temperament für ein Rind. Erst recht für ein Rind ihrer Rasse, die üblicher Weise eine sehr hohe Reizschwelle haben, bis sie in Bewegung kommen. Diese Besonderheit hat es ihr am Schlachthof, wo ich sie vor Jahren bei der Arbeit entdeckte, besonders schwer gemacht. Sie war so in Panik, dass sie gezittert hat wie ein Pappelstämmchen im Sturm. Selbst die Metzger haben sie verwundert beobachtet und mich gefragt, was mit ihr los sei. Ich konnte sie nicht ihrem Schicksal dort überlassen. Ich brachte es einfach nicht fertig. Also nahm ich sie mit mir und sie ließ sich auch nicht bitten. Allerdings sind alle Rinder, die ich jemals vom Schlachthof mitgenommen habe, um ihr Leben zu retten, mit Vollgas auf den sicheren Anhänger gesprungen. Völlig unabhängig von ihrem eigentlichen Temperament. Sie war immer nervös und misstrauisch, wenn man etwas von ihr wollte. Halftern, Blutprobe nehmen und dergleichen: schier unmöglich, weil sie sich in Panik auf der Flucht vor menschlichem Zugriff jedesmal fast schwer verletzt hätte. Wenn es allerdings um nichts ging, war sie zutraulich, genauer gesagt frech und zudringlich, aber auch einfach genießerisch. Sie war immer komplett ihren Emotionen ausgeliefert, ein bisschen von irgendetwas war einfach nicht ihre Maßeinheit. Nun kam seit Jahren das Problem hinzu, dass ihre Hormone verrückt spielten. Eierstockszysten sind bei Rindern nicht ungewöhnlich. Wenn sie sich nicht einfach durch Aufstechen behandeln lassen, immer wieder kehren, zu tumorösen Entartungen führen oder zu gefährlichem Verhalten, werden diese Kühe natürlich schnell aussortiert, sprich geschlachtet. Auf einem Lebenshof versucht man allerdings, auch solche Tiere zu betreuen und in Ruhe alt werden zu lassen. Mit Ruhe ist es dann allerdings mitunter nicht weit her. Vroni hat sich zunehmend selbst mit ihrem Verhalten gefährdet und auch vermehrt (noch) spielerisch alles attackiert, was in ihre Reichweite kam. Menschen, Fahrzeuge, fremde Rinder. Da wir nicht im luftleeren Raum leben, brachte das immer wieder Probleme mit sich. Vor Kurzem wurde die von uns gerettete Kuh Chaya, die mit dem selben Problem seit Jahren auf einem anderen Lebenshof lebt, erfolgreich kastriert. Ein Eingriff, der zwar keine Routine ist, aber hauptsächlich deshalb, weil er natürlich normalerweise von niemandem gewünscht wird. Nicht, weil er besonders schwierig oder risikoreich ist. Der regelmäßig bei Rindern durchgeführte Kaiserschnitt ist durchaus kritischer.
Ich habe mich lange mit den Klinikärzten dazu beraten, was sinnvoll für Vroni sein könnte. Und wir hatten im Nachhinein betrachtet irgendwie alle kein gutes Gefühl dabei, sie zu kastrieren, obwohl das nicht wirklich zu begründen war. Ausschlaggebend war für mich, dass ich wusste, wie quälend gerade für Vroni mehrfach notwendige Eingriffe werden würden. Und auch das Aufstechen birgt Risiken für eine Kuh. Meistens ist es bei der Variante des Aufstechens der Zysten leider nicht mit einem Mal getan und es kann zu Infektionen kommen. Aber "die Nägel mit Köpfen" zu machen hat sie nicht ausgehalten in ihrer Besonderheit. Leider war sie in jeder Hinsicht außergewöhnlich. Sie war der Fall, der eigentlich nie eintritt.
Die Operation selbst in der Rinder Klinik verlief komplikationsfrei und sehr zur Zufriedenheit der beteiligten Ärzte. Aber am nächsten Tag war klar, dass es Vroni nicht gut geht. Der Bluttest ergab einen deutlich gefallenen Hämatokritwert, das bedeutet, sie verlor innerlich Blut. Um sie zu stabilisieren und für eine Nachoperation zu stärken, wurde ihr eine Bluttransfusion gegeben. Doch es geschah, was bei Rindern eigentlich nur theoretisch passieren kann, sie reagierte allergisch auf die Transfusion. Vor dem Tod durch einen anaphylaktischen Schock konnten die alarmierten Ärzte sie durch schnelles Handeln bewahren. Doch sie musste sofort als Notfall auf den OP Tisch, geschwächt wie sie war. Sonst wäre sie verblutet. Und dafür war sie nicht stark genug. Sie ist während der Notoperation gestorben. Die Ärzte waren ebenso am Boden zerstört wie ich, als ich die Nachricht bekommen habe.
Was mich sehr bewegt hat, war die Tatsache, dass der Chefarzt Vroni verstanden hat. Das haben in ihrem Leben nicht viele Menschen, die ihr begegnet sind. Er sagte zu mir, er hätte eher den Eindruck gehabt, dass Vroni sehr nervös sei, nicht aggressiv. Er hat sie als das ängstliche und zartbesaitete Wesen erkannt, dass sie immer war, wo andere bis an die Zähne bewaffnet glaubten, um ihr Leben gegen sie kämpfen zu müssen. Auch dort in der Klinik, wo fast alle große Angst vor ihr hatten. Und tatsächlich wurde sie in letzter Zeit öfter zunehmend gefährlich, aber nicht, wenn man sie bedrängte. Nur, wenn sie in Spiellaune war, wurde sie zum klassischen "Großmaul". Aus Angst heraus zeigte sie nie aggressives Verhalten.
Ich kann es nicht rückgängig machen, ich weiß, ich hätte auch so wie sie war mit ihr umgehen können. Ich wollte es für alle und gerade auch für sie selbst leichter machen. Ich werde in Zukunft wieder auf mein Bauchgefühl hören. Und auf nichts und niemanden sonst. Aber für Vroni ist es zu spät. Ich bin fassungslos.

Rückblick: Vronis Weg zu uns:
Am Morgen war sie noch ganz ruhig, nur etwas aufgeregt. Da hat sie mir schon den Blick zugeworfen, der mich vergiftet hat. Als später das Rindertöten los ging, ist sie vor Angst fast zusammen gebrochen. Ein Metzger hat mich nachdenklich, aber allen Ernstes gefragt: „Die zittert ja! Warum denn das?“

Sie stammt übrigens von dem Bauern, von dem auch Chaya, Dani und Gadi kamen. Die Tiere von diesem Hof erzählen sich wohl gegenseitig eine Geschichte, in der ich vorkomme. Ich erkenne sie im Schlachthof schon rein an dem Blick, mit dem sie mich ansehen ...

Knapp vor der Schlachtung bewahrt, lebt sie ihre eigenwillige Persönlichkeit bei uns zufrieden aus. Brüllen, Knurren, mit Hörnern und Klauen Erde aufscharren, Weidepfosten ausbuddeln, Heu und Strohballen zerlegen sind ihre Hobbies. Die meisten Menschen haben Angst vor ihr, wenn sie sie beim Hobby Ausleben erwischen. Aber wenn Vroni sich ausgetobt hat, kommt ihre andere Seite zum Vorschein. Sie ist dann ganz umgänglich.

Wenn sie eine Massage genießt, tut sie es mit jeder Faser ihres Seins. Und als sie Angst hatte, hatte sie die blanke Panik in jeder Körperzelle und wurde vom Zittern richtig durchgeschüttelt. Sie ist ein Feuerwerk an Leben.

Foto: Nicole Tschierse

Uroma Zänsi

Zänsi
Geboren: 20.11.1995 
Gestorben: 11.05.2016
Rasse: Fleckvieh
Charakter: sehr freundlich und dickschädelig

Abschied von Zänsi
Eine 19 Jahre alt Kuh namens Zänsi sollte den Weg zum Schlachter antreten. Das konnte ich erfolgreich verhindern, denn nur weil ihr Leben lang und hoffentlich einigermaßen gut war, sollte es noch lange nicht so scheußlich enden. Da Zänsi sehr gepflegt und rüstig wirkte, war anzunehmen, dass sie ihre Zeit in Sicherheit noch eine Weile genießen können würde.
Sie war übrigens eine Art Familienerbstück und wurde bei der Hofauflösung eines Verwandten übernommen. Offenbar hatte ihr das für einige Zeit den Status der Unantastbarkeit verliehen. Eine 19jährige Kuh aus einem landwirtschaftlichen Betrieb ist eher eine Rarität. Üblicherweise landen sie mit 5-6 Jahren bereits bei der Schlachtung. Obwohl sie eigentlich ein Alter von über 20 Jahren erreichen können, wenn sie nicht ausge- nutzt werden.

Zänsi hatte noch einige schöne und friedliche Monate bis zu ihrem natürlichen Tod.

Foto: Nicole Tschierse

Paul

Paul
Geboren: 06.10.14
Gestorben: 09.10.17
Rasse: Allgäuer Brauvieh

Charakter: er war sehr lieb, verschmust, menschenbezogen

Abschied von Paul
Er war winzig klein und kam mit einer Fuhre „Ausschussferkel“ (alle krank und/oder verletzt), weil selbst ein unrentables Kalb, mit einem Viehhändler zum Schlachthof. Schnell konnte ich abklären, dass er gar nicht gebraucht wird („Den verhack mer halt und frieren ihn ein - für Konserven irgendwann“) und noch viel schneller als der Wind waren Freunde (Denise) zur Stelle, um ihn gleich wieder wegzuholen. Paul war aussergewöhnlich liebenswert. Ein Ausbund an Zärtlichkeit, Vertrauen und Kindlichkeit. Einfach unwiderstehlich.

Paul ist etwas später mit Greta (unsere Q-Kuh, ehemals Quinzy) nach Hof Butenland gereist, um dort sein Ochsenleben zu verbringen.

Wegen seiner Art und seiner Menschen-Bezogenheit stand Paul häufig im Rampenlicht. Leider verunglückte er und starb jung. Aber er bleibt für immer unvergessen.

Foto: Tanja Thoma

Niedliche Lina

Lina
Geboren: 16.08.14
Gestorben: Mai 2020
Rasse: Weiß-blauer Belgier-Mix

Charakter: zurückhaltend

Abschied von Lina
In einer Blitzaktion auf Facebook wurden mehrere Kälber innerhalb weniger Tage gerettet. Ganz mutig kaufte Michaela G. zwei Kälber:
Lina und den gleichaltrigen Benny.

Lina starb nach einem Weideunfall, sie wurde nur knapp 6 Jahre alt.

Lina lebte von 2015 bis 2020 zusammen mit Benny auf einem Pensionshof.

Foto: Michaela Grimminger

Dicki
Geboren: 27.04.2011
Gestorben: 21.09.2020
Rasse: Fleckvieh

Charakter: Zurückhaltend, aber sehr zutraulich und lieb

Abschied von Madame Dicki
Warum Madame Dicki? Als sie zu uns kam, hatte sie ihren Namen schon. Da sie unser M-Rind im Rettungalphabet war, bekam sie kurzerhand "Madame" vorangestellt. Sie war eine unserer ersten 5 Scottmariger Kühe.

Madame Dicki hat viel erleiden und erdulden müssen als Hochleistungs-Milchkuh aus der Nutzung. Eigentlich hätte sie den Milcheinschuss nach der Geburt ihres ersten Kalbes bereits nicht überlebt. Da war sie erst drei Jahre alt. Aufgrund ihrer starken Milchbildung lag sie fest. Zuviele lebensnotwendige Mineralien wurden mit der Milch aus ihrem Körper gespült. Beim dauerhaften Liegen, verletzte sie sich am Sprunggelenk. Bakterien gelangten in ihren Körper. Schnell waren überall Krankheitserreger in ihrem Körper. Die Tochter des Landwirtes kämpfte Monat um Monat um ihr Leben. Sie erstritt ihre Behandlungen und pflegte sie hingebungsvoll. Immer wieder ging es Dicki etwas besser und sie sollte zur Schlachtung, um wenigstens noch etwas Geld zu bringen. Wenn ihre menschliche Freundin das verhindern konnte, ging es ihr schon bald wieder so schlecht, dass auch eine Schlachtung nicht mehr möglich gewesen wäre, wegen hohem Fieber und Eiter im ganzen Körper. Eine Lösung für die Kuh ergab sich durch unseren Verein. Die Tochter musste ihren Schützling sogar noch frei kaufen. Zu uns gelangte sie einigermaßen munter, aber mit großen Abszessen am Oberschenkel. Antibiotika wirkten nicht mehr bei ihr. Die medizinballgroßen Eiterbeulen mussten mehrfach aufgeschnitten und ausgespült werden. Irgendwann bildete sich eine Fistel und der Eiter floss selbständig ab, ohne weitere Abszesse zu bilden. Zum Erliegen kam die Eiterbildung allerdings ihr Leben lang nie. Dennoch freute sie sich ihres Lebens. Sie liebte ihre kleine Tierfamilie, ihre Menschenfreunde und das gute Essen. Sie war sanft und ruhig, manchmal etwas scheu. Die langen Phasen der Behandlungen mit Spritzen und Zwangsmaßnahmen waren ihr natürlich zuwider. Sie war kein Fan von Veränderungen in ihrem Leben, dagegen war sie sehr misstrauisch anfangs. Meistens verweigerte sie sich dann mit bockbeinigem Erstarren. Später wurde sie wieder vertrauensvoller, als nichts Schlimmes mehr mit ihr passierte. Jetzt, mit neuneinhalb Jahren, haben die Erreger wieder an Kraft gewonnen und ihr erneut Schaden zugefügt. Ganz weg waren sie ja leider nie, aller Bemühungen zum Trotz. Sie hat alle Versuche, ihr auch diesmal zu helfen, brav über sich ergehen lassen. Aber der Schaden war inzwischen zu groß. Nach all der Zeit waren Herz und Nieren in Mitleidenschaft gezogen. Vor allem die Nierenfunktion war nicht mehr ausreichend, um Dicki weiter ihr freundliches, fröhliches Kuhleben zu ermöglichen. Ihr vielfach vernarbtes Hinterbein war inzwischen steif geworden. Mit einer bloßen körperlichen Behinderung hätten wir ihre Lebensumstände an ihre Bedürfnisse anpassen können. Aber die Fehlfunktion der Nieren hat ihr jeden Tag etwas von ihrer Lebenskraft geraubt. Schließlich war es ihr unmöglich, aufzustehen. Sie wurde noch ein paar Tagen mit ihren liebsten Leckerchen verwöhnt. Heute haben wir sie gehen gelassen, damit sie wieder frei ist und ohne Schmerzen, Begrenzungen und Angst. Wir haben gekämpft. Und nein, wir haben nicht verloren. Wir haben viele gute Jahre und Erfahrungen gewonnen.

Foto: Nicole Tschierse