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Dicki
Geboren: 27.04.2011
Gestorben: 21.09.2020
Rasse: Fleckvieh

Charakter: Zurückhaltend, aber sehr zutraulich und lieb

Abschied von Madame Dicki
Warum Madame Dicki? Als sie zu uns kam, hatte sie ihren Namen schon. Da sie unser M-Rind im Rettungalphabet war, bekam sie kurzerhand "Madame" vorangestellt. Sie war eine unserer ersten 5 Scottmariger Kühe.

Madame Dicki hat viel erleiden und erdulden müssen als Hochleistungs-Milchkuh aus der Nutzung. Eigentlich hätte sie den Milcheinschuss nach der Geburt ihres ersten Kalbes bereits nicht überlebt. Da war sie erst drei Jahre alt. Aufgrund ihrer starken Milchbildung lag sie fest. Zuviele lebensnotwendige Mineralien wurden mit der Milch aus ihrem Körper gespült. Beim dauerhaften Liegen, verletzte sie sich am Sprunggelenk. Bakterien gelangten in ihren Körper. Schnell waren überall Krankheitserreger in ihrem Körper. Die Tochter des Landwirtes kämpfte Monat um Monat um ihr Leben. Sie erstritt ihre Behandlungen und pflegte sie hingebungsvoll. Immer wieder ging es Dicki etwas besser und sie sollte zur Schlachtung, um wenigstens noch etwas Geld zu bringen. Wenn ihre menschliche Freundin das verhindern konnte, ging es ihr schon bald wieder so schlecht, dass auch eine Schlachtung nicht mehr möglich gewesen wäre, wegen hohem Fieber und Eiter im ganzen Körper. Eine Lösung für die Kuh ergab sich durch unseren Verein. Die Tochter musste ihren Schützling sogar noch frei kaufen. Zu uns gelangte sie einigermaßen munter, aber mit großen Abszessen am Oberschenkel. Antibiotika wirkten nicht mehr bei ihr. Die medizinballgroßen Eiterbeulen mussten mehrfach aufgeschnitten und ausgespült werden. Irgendwann bildete sich eine Fistel und der Eiter floss selbständig ab, ohne weitere Abszesse zu bilden. Zum Erliegen kam die Eiterbildung allerdings ihr Leben lang nie. Dennoch freute sie sich ihres Lebens. Sie liebte ihre kleine Tierfamilie, ihre Menschenfreunde und das gute Essen. Sie war sanft und ruhig, manchmal etwas scheu. Die langen Phasen der Behandlungen mit Spritzen und Zwangsmaßnahmen waren ihr natürlich zuwider. Sie war kein Fan von Veränderungen in ihrem Leben, dagegen war sie sehr misstrauisch anfangs. Meistens verweigerte sie sich dann mit bockbeinigem Erstarren. Später wurde sie wieder vertrauensvoller, als nichts Schlimmes mehr mit ihr passierte. Jetzt, mit neuneinhalb Jahren, haben die Erreger wieder an Kraft gewonnen und ihr erneut Schaden zugefügt. Ganz weg waren sie ja leider nie, aller Bemühungen zum Trotz. Sie hat alle Versuche, ihr auch diesmal zu helfen, brav über sich ergehen lassen. Aber der Schaden war inzwischen zu groß. Nach all der Zeit waren Herz und Nieren in Mitleidenschaft gezogen. Vor allem die Nierenfunktion war nicht mehr ausreichend, um Dicki weiter ihr freundliches, fröhliches Kuhleben zu ermöglichen. Ihr vielfach vernarbtes Hinterbein war inzwischen steif geworden. Mit einer bloßen körperlichen Behinderung hätten wir ihre Lebensumstände an ihre Bedürfnisse anpassen können. Aber die Fehlfunktion der Nieren hat ihr jeden Tag etwas von ihrer Lebenskraft geraubt. Schließlich war es ihr unmöglich, aufzustehen. Sie wurde noch ein paar Tagen mit ihren liebsten Leckerchen verwöhnt. Heute haben wir sie gehen gelassen, damit sie wieder frei ist und ohne Schmerzen, Begrenzungen und Angst. Wir haben gekämpft. Und nein, wir haben nicht verloren. Wir haben viele gute Jahre und Erfahrungen gewonnen.

Foto: Nicole Tschierse

Hanna

Hanna
Geboren: 07.07.2007
Rasse: Fleckvieh

Charakter: lieb, albern, sehr menschenbezogen

Sie möchten eine Patenschaft für Hanna übernehmen?

Hanna musste beim Warten vor dem Schlachthof viel Leid ertragen. Es war kalt, sie musste sehr lange ohne Wasser und Futter auskommen, ihr Euter war zum Platzen voll und schlimm entzündet. Die anderen Tiere, die mit ihr ausharren mussten, hatten Hörner und malträtierten sie damit böse. Und dennoch versuchte sie die ganze Zeit, die anderen zu trösten und zu beruhigen. Ich versuchte einen Freikauf auszuhandeln und hatte damit Erfolg. Die Zeit, die sie zum Gesundpflegen im Quarantänestall verbrachte, musste sie leider ohne Rindergesellschaft ertragen. Schlimm für so ein hochsoziales Tier, wie gerade sie eines ist. Wir haben im kalten Winter bei ihr im Stall gesessen, liebe Freunde haben Essen und Trinken mitgebracht und es fanden richtige kleine Feiern bei ihr in der Futterrinne statt. Während einer ihr entzündetes Euter mit der Hand ausgemolken hat, hat ein anderer sie mit veganem Gebäck gefüttert. Ganz verrückt war sie auch nach den Schupfnudeln mit Sauerkraut. Sie ist insgesamt ein Rind mit einem sehr originellen und unkomplizierten Wesen.

Foto: Nicole Tschierse


Fanny

Fanny
Geboren: 26.02.2010
Rasse: Mix

Charakter: selbstbewusst, menschenbezogen

Sie möchten eine Patenschaft für Fanny übernehmen?

Sie ist Elliotts Mutter. Ich sollte mir eigentlich ihren Sohn im Stall ansehen und entscheiden, ob ich ihn übernehmen möchte. Aber als ich Fanny sah, angebunden wie ein Schwerverbrecher, war es sofort um mich geschehen. Ich habe ihr versprochen, sie da auch rauszuholen, egal wie. Es hat leider etliche Monate gedauert, bis ich dieses Versprechen wahr machen konnte, denn der Bauer wollte sie nicht gleich hergeben. Deshalb musste ich sie zunächst in tiefer Verzweiflung zurück lassen, als ich ihren Sohn abgeholt habe. Leider konnte ich die beiden später nicht mehr zusammen führen, aber beide haben jetzt wenigstens ein schönes, freies und sicheres Leben, wenn auch voneinander getrennt.

Foto: Nicole Tschierse


Berta

Berta
Geboren: 28.04.2008
Rasse: Fleckvieh

Charakter: sehr lieb, menschenbezogen, Schmusekuh

Berta nahm ich im Frühjahr 2010 aus dem Schlachthof mit. Damals gab es die EU-Verordnungen noch nicht, die so etwas verbieten. Berta war am Vortag zur Schlachtung angeliefert worden, als zwei Jahre altes Mastrind. Zur Zucht war sie nie vorgesehen. Sie stand im Schlachthofstall und wartete auf ihren Tod. Und sie hat geschlottert und gezagt, wie irgendein Lebewesen im Angesicht seines Todes das nur tun könnte, Menschen eingeschlossen. Sie hat aus irgendeinem Grund all ihre Hoffnungen auf mich gesetzt, als sie mich gesehen hat. Wenn es ihr möglich gewesen wäre, hätte sie sich auf Knien liegend an meine Beine geklammert, um mich um Hilfe zu bitten. Das sprach aus jedem Blick und jeder ihrer Bewegungen. Das waren ein paar harte Stunden für mich, in denen ich entscheiden musste, ob ich mich an Kopf oder Herz halten will. Ich hatte kein Geld (1200,- € hat sie gekostet), keinen Platz vorbereitet, die schiere Größe dieses Tieres überforderte eigentlich alle meine Möglichkeiten. Ich nahm sie dennoch mit, Alma brauchte ohnehin Gesellschaft. Und letztendlich ging zum Glück alles gut, auch wenn das eine sehr gewagte Entscheidung war.

Foto: Nicole Tschierse

Alma

Alma
Geboren: 20.06.09
Rasse: Fleckvieh

Charakter: selbstbewusst, neugierig, menschenbezogen

Alma wartete als fünf Monate altes Kalb im Schlachthof auf ihre Tötung. Sie war seit mindestens zwei Tagen ohne Tränke und Futter (sie brauchte noch Milch, frass aber schon etwas Heu). Und sie lag ganz lässig in der Box und wartete einfach. Sie hatte überhaupt keine Angst und sie hat keinen Ton gesagt. Kälber schreien sonst immer im Schlachthof, erst recht, wenn sie hungrig sind. Sie schien zu wissen, was ich noch nicht wusste: ihr würde nichts passieren, denn sie würde mit mir gehen. Ich hatte diese Idee damals noch gar nicht. Nicht richtig, jedenfalls. Als dann gleich zwei aus der Schlachthof-Leitung nacheinander zu mir kamen, um mir vorzujammern, dass dieses Kalb überzählig sei und gar nicht gebraucht würde, fiel der Groschen bei mir Pfennig-weise. Sie hat sich von Anfang an gut in alles eingefügt, obwohl ich gar nicht auf ihre Ankunft vorbereitet war und vieles improvisiert werden musste. Ihre Ideen und ihr Sportsgeist haben später allerdings manchmal über das Ziel hinaus geschossen. Inzwischen ist sie aber eine sehr verlässliche Kuhgefährtin geworden.

Foto: Selina Kiesling